Persönliche Inflationsrate berechnen: die besten Inflationsrechner für Deutschland, Europa und die Schweiz

Lesedauer: 5 Minuten

Seit Monaten steigt weltweit die Inflation. Doch höhere Preise treffen jeden anders. Du solltest daher deine persönliche Inflationsrate berechnen. Wir erklären was das ist und zeigen dir die besten Inflationsrechner.

Die Inflation steigt 2022 weltweit stark an

Im März 2022 stieg die Teuerung in Deutschland auf 7,3%, im Euroraum auf 7,4%, in den USA sogar auf 8.5%. So hohe Inflation gab es seit Jahrzehnten nicht mehr. Zuletzt war die Inflation in Deutschland während des Golfkriegs im Herbst 1981 ähnlich hoch.

Diese Raten liegen weit entfernt vom Inflationsziel der Zentralbanken in den USA oder Europa von etwa 2%. Die Entwicklung besorgt viele. Denn Waren und Dienstleistungen werden teurer und der eigene Lohn steigt nicht im gleichen Umfang . Als Folge sinkt die Kaufkraft.

Doch nicht alle sind gleich stark betroffen. Denn die offiziellen Zahlen (wie Verbraucherpreisindex VPI in Deutschland oder Landesindex der Konsumentenpreise LIK in der Schweiz) messen die durchschnittliche Preisentwicklung. Dazu wird ein Korb von Waren und Dienstleistungen gebildet, den private Haushalte kaufen. Zum Korb gehören z.B. Lebensmittel, Alkohol, Zigaretten, Benzin und Gas, sowie Mieten aber auch Ausgaben für Kleider, Gesundheit und Kultur. Und die Preise entwickeln sich sehr verschieden. Energie wurde in Deutschland im Jahresverlauf fast 40% teurer, Dienstleistungen «nur» 2.8%.

Mein Tipp: Faustregel Inflation

Bei einer jährlichen Inflation von 7% sinkt deine Kaufkraft in 10 Jahren um 50%. Dein Geld ist «nur noch die Hälfte wert».

Was ist die persönliche Inflationsrate?

Bist du Durchschnitt? Wohl kaum. Natürlich unterscheidet sich dein Konsumverhalten vom Durchschnitt. Darum betreffen dich Preissteigerungen anders als Freunde oder Kollegen. Folglich ist die publizierte Inflationsrate nur ein Indiz. Massgeblich für dich ist die persönliche Inflationsrate (PIR). Das ist der gewichtete Durchschnitt der Inflationsraten aller Waren und Dienstleistungen, die du konsumierst. Die Gewichte ergeben sich daraus wie viel Geld du wo für ausgibst.

Welche Aussagekraft hat die persönliche Inflationsrate?

Sie zeigt wie sich höhere Preise effektiv auf die Kaufkraft deines Franken, Euros oder Dollars auswirken. Online kannst du die PIR ermitteln. Die Güte der Ergebnisse hängt von zwei Punkten ab. Erstens, wie gut kennst du deine Ausgaben? Weisst du wieviel du pro Jahr ausgibst und wofür? Zweitens, wie gut kannst du deine Ausgaben den Kategorien im Tool zuordnen?

Falls du diese Punkte zufriedenstellen lösen kannst, bekommst du eine gute Aussage, ob dich die Teuerung mehr oder weniger betrifft als den Durchschnitt. In der Folge kannst du dann bewerten, wie gross dein Handlungsbedarf ist. Schliesslich soll Inflation deine finanziellen Ziele nicht gefährden.

Mein Tipp: Tools richtig einstellen

Achte darauf dass das Total deiner Ausgaben im Tool mit deinem Haushaltsbudget übereinstimmt. Erfasse nur Ausgaben für Konsum, nicht die Sparbeiträge. Ordne zudem deine Ausgaben so, dass sie auf die Gruppen des Tools passen.

Wie stark bin ich von steigenden Preisen betroffen?

Das hängt davon ab, wie viel Geld du wofür ausgibst. Du heizt mit Gas? Dann treffen dich steigende Energiekosten stärker als jemand, der mit einer Wärmepumpe heizt. Du pendelst mit dem Auto zur Arbeit? Dann treffen dich die steigenden Sprit-Preise stärker, als Menschen die im Homeoffice arbeiten oder mit dem öffentlichen Verkehr unterwegs sind. Oder isst du viel Fleisch? Dann wird das Leben aufgrund der steigenden Kosten für Vorprodukte zur Fleischproduktion für dich spürbar teurer als für Vegetarier.

In welchem Ausmass dich höhere Preis treffen, hängt also erstens davon ab, welche Waren und Dienstleistungen die Teuerung treiben. Und zweitens, wie viele dieser Güter du nutzt. Im Allgemeinen waren in der Vergangenheit junge und einkommensschwache Haushalte stärker betroffen, da sie relativ mehr ihrer Ausgaben für Brennstoffe und Lebensmittel einsetzen, die sich stärker verteuerten.

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Wie kann ich die persönliche Inflationsrate berechnen?

Dazu gibt es verschiedene Online-Tools. Du musst diese lediglich mit zwei Informationen füttern: wie hoch sind deine Ausgaben insgesamt? Wie verteilen sind deine Ausgaben auf verschiedene Ausgabegruppen?

Die nachfolgenden Tools haben einige Vorteile. Sie stammen von offiziellen Stellen und sind jeweils mit aktuellen Daten ausgerüstet. Die Anbieter verfolgen keine kommerziellen Interessen und speichern deine Daten nicht. Die Tools zeigen dir, wie sich die Inflationsrate im gewählten Land in einem bestimmten Zeitraum für unterschiedliche Ausgabenkategorien entwickelt hat. Für die verschiedenen Kategorien kannst du eigene Verbrauchswerte eintragen. So kannst du die Höhe und Verteilung der Ausgaben an dein eigenes Verbrauchsverhalten anpassen. Als Ergebnis bekommst du auf Grundlage deiner Konsumgewohnheiten deine PIR.

Persönlicher Inflationsrechner Eurozone

Für die Länder in der Euro-Zone gibt es einen hervorragenden Teuerungsrechner der EZB (DE EN FR). Auf einen Blick siehst du für dein Land:

  • Wie hoch ist meine Inflationsrate derzeit und in den letzten 10 Jahren?
  • Welche Ausgaben sind am stärksten und am wenigsten im Preis gestiegen?
  • Welchen Anteil machen die Kategorien am Gesamtkonsum aus?

Persönlicher Inflationsrechner Schweiz

Für die Schweiz stellt das Bundesamt für Statistik ein Online-Tool (DE FR EN IT) bereit. Auf einen Blick siehst du für die Schweiz:

  • Wie hoch ist meine Inflationsrate in einem frei wählbaren Zeitraum seit 2002?
  • Wo liegt meine Inflationsrate im Vergleich zum Durchschnitt?
  • Wie stark stiegen die Preise in den letzten 12 Monaten pro Ausgabengruppe?
  • Wofür geben verschiedene Haushalte pro Monat oder Jahr Geld aus aus? Zur Wahl stehen ein Durchschnittshaushalt, berufstätige und pensionierte Singles, ein Paarhaushalt, Rentnerpaar und eine Familie.  

Persönlicher Inflationsrechner Deutschland

Für Deutschland gibt es ein Tool vom Statistischen Bundesamt. Zunächst gibst du deine monatlichen Konsumausgaben ein. Diese verteilt das Tool dann anhand der durchschnittlichen Ausgaben auf die fünf Hauptkategorien plus «Rest», so dass du eine Feinjustierung vornehmen kannst. Dann siehst du auf einen Blick:

  • Wie hoch ist meine PIR seit 2015 pro Jahr?
  • Im Vergleich zu einem Durchschnitt: wo liegt meine PIR?
  • Wie weichen meine Ausgaben von den durchschnittlichen Ausgaben ab?
  • Was wurde seit 2015 um wie viel teurer ?

Was kann ich gegen Inflation tun?

Steigende Preise belasten dein Haushaltsbudget. Wenn das Haus brennt, löschst du aber auch zuerst den Brand. Deshalb musst du dich in der aktuellen Situation als Konsument zunächst auf die Ausgabenseite konzentrieren. Andere Massnahmen auf der Einnahmenseite (Einkommen erhöhen) oder deinen Anlagen (Vermögen schützen und mehren) sind sekundär. Denn vermutlich kannst du dein Einkommen nicht gleich rasch und/oder in gleichem Ausmass wie die Teuerung erhöhen. Und wenn du dein Vermögen bislang nicht in Aktien oder Immobilien investiert hast, gilt «first things first».

Wie kann ich meine Ausgaben bei steigender Inflation senken?

Ohne Gegenmassnahmen gefähren höhere Preise zwangsläufig und schleichend deine finanzielle Zukunft. Bei unveränderten Einnahmen und höheren Ausgaben sinkt deine Sparquote. Dann läuft dein Kontenmodell mit der 70-20-10 Regel aus dem Ruder, deine Zukunft wird gefährdet.

Mein Tipp: Sparpotential im Budget erschliessen

Die meisten Haushalte können durch Ersatz, Verzicht, verschieben oder verlagern Einsparungen von 5-10% erreichen. Anders gesagt: damit hältst du dein Haushaltsbudget auch bei steigenden Preisen im Lot.

Darum solltest du folgende vier Strategien prüfen:

  • «Substitution»: Kann ich die teuer gewordenen Produkte substituieren? Du könntest zum Beispiel No-Name Produkte statt Markenprodukte kaufen oder den Einkauf beim Discounter erledigen. Auch bekommst du Dienstleistungen von Banken oder Telekom-Anbietern anderswo häufig günstiger als bei deinem aktuellen Anbieter. Oder du kannst Leitungswasser oder Tee statt Süssgetränken trinken.
  • «Verzicht»: Kann ich weniger kaufen? Brauche ich das Angebot überhaupt noch? Und in dieser Ausprägung? Bei vielen Konsumartikeln kannst du das “wie oft” und “wie viel” reduzieren. Zum Beispiel kannst du einmal in der Woche weniger Fleisch essen. Dies entlastet nicht nur dein Budget, sondern verbessert auch deine Ernährungsbilanz. Vielleicht kannst du Abos (Fitness, Zeitschriften), Versicherungen oder Streaming-Diensten (Netflix, Prime, Spotify, iCloud etc.) hinterfragen, teilen oder die Abogrösse verkleinern?
  • «Verschieben»: Kann ich erst später kaufen? Zum Beispiel kannst du dein Smartphone länger nutzen statt jährlich ein neues zu kaufen. Und es muss vielleicht nach 3 Jahren nicht schon wieder ein neuer Wagen sein.
  • «Verlagerung» Kann ich Ausgaben für Freizeit und Hobbies auf Kategorien mit weniger starker Teuerung verlagern? Mit dieser Strategie ziehst du Entspannung und Freude aus einem Sport oder Hobby, das weniger stark oder gar nicht von Teuerung betroffen ist. Wandern, Joggen oder Lesen sind klassische low-cost Hobbies statt Clubbing, Ausgang oder Shoppen.

Zusammenfassung persönliche Inflationsrate berechnen

Ist Teuerung für mich ein grosses Problem? Um diese Frage zu beantworten, brauchst du zunächst ein Haushaltsbudget. Danach nutzt du ein online-Tool. Mit diesem stellst du fest, wo deine Ausgaben vom Durchschnitt abweichen. So findest du deine persönliche Inflationsrate heraus. Zuletzt wendest du eine oder mehrere Strategien an, um deine Ausgaben anzupassen. So kannst du auch bei steigenden Preisen deine Finanzen im Griff halten.

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